Rezension: Der Schatten des Giganten (1966)
„Cast a Giant Shadow“ ist ein groß angelegtes, starstudiertes Hollywood-Biopic, das die wahre Geschichte von Colonel David „Mickey“ Marcus (Kirk Douglas) erzählt. Der amerikanische Jude und West-Point-Absolvent wird 1948 von der zionistischen Führung umgebeten, im Unabhängigkeitskrieg die junge israelische Armee zu organisieren und zu führen.
Unter der Regie von Melville Shavelson entsteht ein Film mit ambivalentem Charakter. Einerseits ist er ein konventionelles Heldenepos im Stil der Zeit: Kirk Douglas verkörpert mit markiger Entschlossenheit den charismatischen Außenseiter, der gegen Bürokratie und Skepsis kämpft. Die spektakulären, wenn auch heute etwas gestelzt wirkenden Kriegsaufnahmen und die imposanten Wüstenlandschaften bieten cineastisches Flair. Die Starbesetzung – mit John Wayne, Frank Sinatra, Yul Brynner und Angie Dickinson in Cameo-Rollen – unterstreicht den Produktionswert.
Andererseits scheut der Film nie davor zurück, die politische und moralische Komplexität des Konflikts anzudeuten. Die Verzweiflung und Entschlossenheit der jüdischen Siedler wird ebenso gezeigt wie die arabische Perspektive (wenn auch stark vereinfacht). Marcus‘ innerer Konflikt zwischen seiner amerikanischen Identität und der Verantwortung für seine historische Heimat bildet das eigentliche Herzstück.
Fazit: „Cast a Giant Shadow“ ist ein klassisches, ambitioniertes Hollywood-Drama mit Schwächen und Stärken. Als reines Action-Kriegsspektakel wirkt er heute etwas angestaubt und langatmig. Als historisches Porträt einer entscheidenden Gründungsfigur und als Zeugnis des pro-israelischen Hollywood-Standpunktes der 1960er Jahre bleibt er jedoch faszinierend. Für Geschichtsinteressierte und Fans altmodischer, groß aufgesetzter Heldengeschichten lohnt die Sichtung, auch wenn der Film seinen eigenen Schatten nicht ganz zu füllen vermag.