Rezension: Casino Jack (2010)
George Hickenloopers „Casino Jack“ ist eine grell-bunte, temporeiche Satire auf die korrupten Machtspiele in Washington. Der Film zeichnet den wahren Aufstieg und Fall des Super-Lobbyisten Jack Abramoff (Kevin Spacey) nach, der in den frühen 2000er Jahren das System aus Bestechung, Gefälligkeiten und moralischer Flexibilität zur Perfektion trieb.
Spacey ist in seiner Element: Er verkörpert Abramoff als charismatischen, redegewandten und von seiner eigenen Rechtfertigung überzeugten Blender. Der Film zeigt mit beißendem Zynismus, wie Ideologie und Geschäft, Politik und organisiertes Verbrechen ineinanderfließen. Eine starke Nebenrolle spielt Barry Pepper als Abramoffs skrupelloser Partner Michael Scanlon, deren Dynamik an ein zwielichtiges Traumpaar erinnert.
Die Inszenierung ist energisch und zugänglich, nutzt Breaking-the-Fourth-Wall-Momente und schnelle Montagen, um die hektische, oberflächliche Welt der Einflüsterer einzufangen. Dies macht den Film unterhaltsam, geht aber manchmal auf Kosten der Tiefe. Während Oliver Stones „W.“ die Ära Bush aus einer politischen Perspektive zeigte, seziert „Casino Jack“ das geschäftliche Fundament der Macht.
Doch trotz aller Satire fehlt dem Film letztlich eine wirklich schneidende Kritik. Er bleibt oft der oberflächlichen Faszination für den glamourösen Lebensstil seiner Protagonisten verhaftet, ohne die systemischen Ursachen oder die tragischen Folgen für die betrogenen Indianerstämme und anderen Opfer genug auszuleuchten.
Fazit: „Casino Jack“ ist ein blendend gespieltes und unterhaltsames Polit-Gangsterdrama. Er funktioniert hervorragend als eine Art „Wolf of Wall Street“ für Washington, der die Absurdität und moralische Verwerflichkeit des Lobbyismus entlarvt. Für ein tiefergehendes Verständnis der Affäre muss man woanders suchen, als packende, zynische Unterhaltung mit historischem Kern erfüllt er seinen Zweck perfekt.