Ken Locsmandis Science-Fiction-Film „Beyond White Space“ von 2018 ist ein ambitioniertes Low-Budget-Projekt, das sich mutig in das gefährliche Terrain zwischen Weltraum-Oper und Sci-Fi-Thriller wagt. Der Film verspricht eine düstere, von „Alien“ und „Event Horizon“ beeinflusste Atmosphäre und liefert visuell Erstaunliches für sein vermutlich begrenztes Budget, bleibt in der narrativen Tiefe und Charakterzeichnung jedoch deutlich hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück.
Die Handlung folgt der Besatzung des Raumschiffes „SS Kerberos“, einem Fangschiff, das auf der Jagd nach riesigen Weltraumkreaturen, ähnlich kosmischen Walen, ist. Der kühl kalkulierende Kapitän Richard Bentley (Holt McCallany) und seine eingeschworene Crew sehen ihre letzte, gewinnträchtige Mission vor dem Ruin stehen, als sie auf ein feindliches Schiff und eine rätselhafte, dimensionale Anomalie – den „White Space“ – treffen. Der Film vermischt damit Elemente des Weltraum-Abenteuers mit existenziellen Bedrohungen und der Grenzüberschreitung ins Unbekannte.
Die unbestreitbare Stärke von „Beyond White Space“ liegt in seiner visuellen Gestaltung. Die Raumschiffe, die Weltraumjäger und vor allem die imposanten, biolumineszenten Weltraumkreaturen sind hervorragend designt und umgesetzt. Die CGI-Effekte übertreffen bei weitem die Erwartungen an einen Independent-Film und schaffen eine glaubwürdige, detailreiche Welt. Die Kameraarbeit und die düster-blaue Farbpalette unterstreichen die isolierte und gefährliche Stimmung an Bord.
Doch genau hier enden die Lorbeeren auch schon. Das Skript ist das größte Manko des Films. Die Charaktere sind schablonenhaft und ihre Dialoge oft holprig oder voller Genre-Klischees. Der Konflikt zwischen profitgierigem Kapitän und moralisch bedenklichen Entscheidungen wird zwar angeschnitten, aber nie mit der nötigen psychologischen Tiefe oder moralischen Ambivalenz ausgespielt. Die Handlung wirkt trotz des interessanten Settings vorhersehbar und folgt einem linearen Schema, das kaum Überraschungen bietet. Die Spannung, die durch die exzellente visuelle Bedrohungslage aufgebaut wird, verpufft oft in mittelmäßigen zwischenmenschlichen Konflikten.
Fazit: „Beyond White Space“ ist ein filmisches Paradox: Ein visuell beeindruckender Indie-Sci-Fi, der in seinem narrativen Kern gefangen bleibt. Er beweist, welches kreative und technische Potenzial abseits der großen Hollywood-Studios schlummert, und ist allein für die gestalterische Liebe zum Detail und die grandiosen Kreaturen-Designs einen Blick wert. Wer jedoch nach einer ebenso fesselnden wie tiefgründigen Geschichte sucht, wird enttäuscht. Der Film ist letztendlich ein solider, wenn auch vergesslicher Genrebeitrag für einen entspannten Filmabend, der mehr durch sein Handwerk als durch sein Herz überzeugt. Ein vielversprechender, aber nicht vollendeter Sprung ins Unbekannte.